Spaß im Zirkus ohne Wildtiere
Durch Deutschland reisen derzeit etwa 350 große und kleine Zirkusunternehmen. Viele von ihnen führen Wildtiere wie Affen, Elefanten, Bären, Giraffen, Flusspferde und Nashörner mit sich.Aufgrund des häufigen Standortwechsels von bis zu 50 mal im Jahr verbringen diese Zirkustiere etwa 100 Tage in engen und dunklen Transportwagen. Selbst wenn am Gastspielort Außengehege errichtet werden, entsprechen diese hinsichtlich Größe und Ausgestaltung nicht annähernd den Voraussetzungen, die Wildtiere zum Ausleben ihrer natürlichen Verhaltensweise benötigen. Wildtiere, die anders als unsere domestizierten Pferde, Hunde und Katzen keinen entwicklungsgeschichtlichen Anpassungsprozess an ein Leben in der Nähe des Menschen durchlaufen haben, können unter solchen Bedingungen nicht artgerecht gehalten werden
Hinzu kommt der mit der Dresseur und den täglich am Gastspielort stattfindenden Auftritten verbundene Stress. Kein Elefant macht in freier Wildbahn einen Handstand, kein Bär balanciert freiwillig auf einem Ball, kein Tiger springt aus eigenem Antrieb durch einen brennenden Reifen. Hinter den bunten Kulissen werden die nicht zähmbaren Wildtiere mit physischer Gewalt und psychischer Einschüchterung gefügig gemacht. Peitschen, Elektroschocker und spitze Eisenhaken sind täglich im Einsatz.
Kein Wunder, dass viele Zirkustiere chronisch krank sind und früh sterben. Aufgrund der schlechten Haltungsbedingungen sind auch stereotype Verhaltensstörungen weit verbreitet, wie beispielsweise zwanghaftes Hin- und Herlaufen oder das sogenannte Weben bei Elefanten. Hierbei deutet der Elefant Vor- und Rückschritte an, schaukelt dabei rhythmisch mit dem Körper und schwingt den Rüssel. Bereits im Jahre 2003 hat der Bundesrat eine Entschließung zum grundsätzlichen Halteverbot von Wildtieren im Zirkus gefasst und die Bundesregierung gebeten, eine entsprechende Rechtsverordnung auf den Weg zu bringen. Bislang wurde dies jedoch vom zuständigen Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Verbraucherschutz nicht umgesetzt. Als Begründung wurden verfassungsrechtliche Bedenken gegen ein Wildtierverbot und das Recht auf Berufs- und Eigentumsfreiheit der Zirkusdompteure genannte. Dagegen sind in anderen Ländern wie Bulgarien, Österreich, Costa Rica, Israel und Singapur Wildtiere im Zirkus bereits generell verboten.
Die vorhandenen, jedoch nicht rechtsverbindlichen Leitlinien für die Haltung, Ausbildung und Nutzung von Tieren im Zirkusbetrieben oder ähnlichen Einrichtungen formulieren lediglich Mindestanforderungen, welche jedoch oft nicht erfüllt werden, da ein Zirkus durch das ständige Reisen nur kurz an einem Ort verweilt und so den amtstierärztlichen Vollzugsmaßnahmen entgeht. aktion tier fordert im Rahmen seiner Kampagne „Spaß im Zirkus ohne Wildtiere“ sowie einer zeitgleichen Unterschriftensammlung ein bundesweites Verbot von Wildtieren im Zirkus. Seit Langem schon gibt es moderne Zirkusunternehmen wie Flic Flac, den Großen Chinesischen Staatscircus oder den Cirque du Soleil mit atemberaubenden Shows – ganz ohne Tiere. Der Verzicht auf Tiere bedeutet nicht das Aus für den Zirkus sondern das Ende von großem Tierleid!