Was ist Tierschutz?
aktion tier intern
Jeder Verein, der irgendwann einmal von wohlmeinenden Menschen ins Leben gerufen wurde, legt vor Aufnahme seiner Tätigkeit seinen eigentlichen Zweck fest. Dies geschieht in Form einer Satzung, die vor der Eintragung des Vereines in das entsprechende Register dem zuständigen Amtsgericht vorgelegt werden muss. Darin wird festgelegt, in welchem Bereich des öffentlichen Lebens die Vereinsgründer der Meinung sind, sich in der Zukunft engagieren zu wollen. Hintergrund dieses Engagements ist in der Regel, dass man die Interessen einzelner gesellschaftlicher Gruppen besser vertreten möchte oder aber man zu dem Schluss gelangt ist, dass einzelne Bereiche des öffentlichen Lebens besser zu gestalten sind. Letzteres gilt normalerweise für Tierschutzvereine.
Ein Bericht von Holger Knieling, Vorstandsvorsitzender aktion tier – menschen für tiere e.V.
Jeder Verein, der irgendwann einmal von wohlmeinenden Menschen ins Leben gerufen wurde, legt vor Aufnahme seiner Tätigkeit seinen eigentlichen Zweck fest. Dies geschieht in Form einer Satzung, die vor der Eintragung des Vereines in das entsprechende Register dem zuständigen Amtsgericht vorgelegt werden muss. Darin wird festgelegt, in welchem Bereich des öffentlichen Lebens die Vereinsgründer der Meinung sind, sich in der Zukunft engagieren zu wollen. Hintergrund dieses Engagements ist in der Regel, dass man die Interessen einzelner gesellschaftlicher Gruppen besser vertreten möchte oder aber man zu dem Schluss gelangt ist, dass einzelne Bereiche des öffentlichen Lebens besser zu gestalten sind. Letzteres gilt normalerweise für Tierschutzvereine.
Ein Bericht von Holger Knieling, Vorstandsvorsitzender aktion tier – menschen für tiere e.V.
Ihre Entstehung ist meistens der Tatsache geschuldet, dass man die Belange des Tierschutzes verbessern möchte, da man dort vorhandene Defizite entdeckt hat. Und so findet sich eine Gruppe von gleichgesinnten Menschen zusammen, um in Form der juristischen Körperschaft dieses Ziel auch konkret umzusetzen. Dies ist insofern erwähnenswert, als dass der Einzelne sich ja auch engagieren kann, ohne sich an einer Vereinsgründung zu beteiligen. Aber das Wesen eines Vereines bietet nun einmal die Möglichkeit, sich mit mehreren Personen zusammen zu schließen, um in der Gemeinschaft mehr zu erreichen, als der Einzelne es kann.Daraus resultiert aber auch die Notwendigkeit, dass man unterschiedliche Meinungen aufgreift, um diese letzten Endes zu einer gemeinsamen Vorgehensweise zusammen zu führen. Denn mit der Aufnahme einer Vereinstätigkeit steht man plötzlich vor der Frage, wie denn eigentlich die Satzungsziele konkret in die Tat umgesetzt werden können. Und im Zuge der notwendigen demokratischen Diskussion stellt man fest, dass es oftmals sehr unterschiedliche Auffassungen darüber gibt, wie man möglichst effektiv den eigentlichen Satzungszweck umsetzt.
Um bei dem konkreten Beispiel eines Tierschutzvereines zu bleiben, muss man dort die Frage aufwerfen: Was ist denn eigentlich Tierschutz? Und auch wenn diese Fragestellung auf den ersten Blick banal erscheinen mag, wird man bei der konkreten Beantwortung einige Schwierigkeiten haben. Denn auch der Tierschutz ist, wie alle anderen Bereiche des öffentlichen Lebens auch, ein sehr komplexes Feld, das sich nicht in plakativen Feststellungen erfassen lässt. Spätestens dann, wenn man wie unsere Organisation in alle Bereiche des Tierschutzes eingebunden ist und regelmäßig Entscheidungen treffen muss, die eine kurzsichtige Denkweise ausschließen müssen. Unsinn, werden Einige einwenden.
Steht das Wohl der Tiere immer im Vordergrund?
Die Beantwortung der Frage ist völlig einfach, denn der Tierschutz umfasst alle Bereiche, in denen Tiere zu ihrem eigenen Wohle versorgt und betreut werden. Demzufolge wird der Tierschutz dadurch umgesetzt, dass in Not geratene Tiere durch die dafür tätigen Vereine betreut und versorgt werden. Also eigentlich ganz einfach. Leider werden einfache Definitionen in der Regel durch die Praxis widerlegt. Einige der schlimmsten Tierquälereien werden mit einem derart definierten Tierschutz begangen. Jeder, der z. B. 50 Streunerkatzen in eine Mietwohnung einsperrt, legitimiert sein Handeln mit der Behauptung, dass er oder sie diese Tiere von der Straße gerettet hat. Die daraus resultierenden Haltungsbedingungen sind eine Katastrophe und den eigentlichen Bedürfnissen der Tiere wird nicht einmal ansatzweise entsprochen. Kritisiert man diese Bedingungen, wird bedauernd erläutert, dass man zwar gerne eine Veränderung herbeiführen möchte, aufgrund der schlechten finanziellen Möglichkeiten jedoch nicht kann. Aber, Totschlagargument, diese Tiere seien aus der Not gerettet worden und erhalten jetzt regelmäßig ihr Futter. Tierschutz im Sinne der Tiere? Wohl kaum.Wer jetzt der Meinung ist, diese Zustände seien Einzelfälle, irrt grundlegend. Gerade für kleinere Vereine ohne eigene Tierheime ist eine solche Haltungsform nicht außergewöhnlich. Obwohl die Unterbringung gerade für Streunerkatzen eine extreme Belastung mit sich bringt, müssen diese Personen auch keine Einschränkung ihres Tuns befürchten. Behördliche Auflagen erfolgen zumeist nicht, da die zuständigen Veterinärämter schlicht und ergreifend nicht wissen, wo sie mit den Tieren hin sollen. Also werden derartige Zustände toleriert und die dafür verantwortlichen Personen können sich ohne jegliche Scheu dauerhaft als ausschließlich dem Wohl der Tiere verpflichtet präsentieren. Hinterfragt wird diese Vorgehensweise nicht, denn Tierschutz bedeutet Tiere zu versorgen.
Das Phänomen “animal hoarding"
Einziger Lichtblick ist momentan die Tatsache, dass ein derartiges Sammeln von Tieren in besonders krassen Einzelfällen häufiger in der Öffentlichkeit diskutiert wird. Das Phänomen des „animal hoarding“, also des krankhaften Sammelns von Tieren, wird zurzeit sogar in der Wissenschaft behandelt. Aber in allen Fällen ist die Motivation und die Legitimation des Handelns die Definition von Tierschutz, dass sich dieser auf die Versorgung von Tieren beschränkt. Damit entspricht man einer weitverbreiteten Auffassung und findet sogar oftmals wohlmeinende Menschen, die dieses Handeln auch noch unterstützen.Aber auch Tierschutzvereine, die über eigene Tierheime verfügen, können oftmals in der Praxis den Anforderungen an eine Tierhaltung, die den Bedürfnissen der Tiere entspricht, nur bedingt standhalten. Dessen sind sich die dort tätigen Menschen auch bewusst, denn ihre finanziellen und personellen Möglichkeiten sind eingeschränkt. Doch selbst wenn diese besser wären, könnte man in einem Tierheim immer nur einen Kompromiss ermöglichen, der allen Anforderungen auf dem kleinsten Nenner entspricht.
Dieser Umstand wird naturgemäß in der Öffentlichkeit wenig diskutiert. Das Tierheim oder jede andere Auffangstation ist per Se erst einmal etwas Erstrebenswertes. Eine besonders verheerende Rolle spielen dabei die Medien. Für sie gibt es nur zwei Möglichkeiten der Darstellung von Aktivitäten im Tierschutz: entweder in Form von zumeist niedlichen Einzelschicksalen von Tieren oder in Form von vorhandenen oder vermeintlichen Skandalen in diesem Bereich. Eine sachliche Auseinandersetzung mit den Zuständen und Anforderungen in allen Bereichen des Tierschutzes findet dort nicht statt. Darauf angesprochen erklären die meisten Medienvertreter, dass dieses Vorgehen bei potenziellen Zuschauern oder Lesern keinen Anklang finden würde. Sie gehen dabei so weit, dass sie eine ihren Vorstellungen entsprechende Zensur der Wirklichkeit vornehmen. Ein Phänomen, was sicherlich permanent auch in anderen Bereichen der Berichterstattung anzutreffen ist. Dabei werden bevorzugt vorhandene Klischees bedient.
Ein Tierschützer ist eine Person, die ohne Rücksicht auf eigene Interessen, selbstverständlich unentgeltlich, jeden Tag 24 Stunden Tiere versorgt. Dabei leisten sie den eingangs beschriebenen Verhaltensweisen und den daraus resultierenden Haltungsmethoden permanent Vorschub. Sie heroisieren Menschen, die ihr Haus zu einer Behausung für Affen umfunktioniert haben oder die auf wenigen Quadratmetern Reptilien zusammen pferchen. Ob dabei eine Form der Haltung umgesetzt wird, die den Bedürfnissen der Tiere entspricht, wird nicht weiter hinterfragt. Die Tiere wurden gerettet und bekommen ihr Futter. Dem Tierschutz wurde damit genügt. Basta!
Wer denkt über die Ursachen des Tierleids nach?
Keine der handelnden Personen stellt sich die Frage, warum denn immer wieder Tiere überhaupt versorgt werden müssen. Auch tun dies die wenigsten Antragssteller, die sich an aktion tier mit der Bitte um Bereitstellung finanzieller Mittel für die Errichtung neuer Tierauffangstationen wenden. Offenbar wird diese alltägliche Situation als eine unumstößliche Tatsache akzeptiert. Kein Mensch denkt über die Ursachen des vorhandenen Tierleids nach und findet es völlig akzeptabel, dass ständig Tiere in einer Einrichtung untergebracht werden müssen, ohne das diese in allen Fällen überhaupt eine bedarfsgerechte Unterbringung bieten können.Niemand stellt sich die Frage, warum sich Menschen immer wieder Tiere anschaffen können, die sie anschließend in einem Tierheim abgeben. Keiner stellt diesen Kreislauf infrage, sondern akzeptiert, dass ständig Tiere in eine ihren Bedürfnissen nicht entsprechende Situation gebracht werden. Und erst recht niemand möchte den eigentlichen Verursacher dieses Dilemmas erkennen: den einzelnen, verantwortungslos handelnden Menschen!
Inzwischen gibt es sogar einzelne Fernsehformate, die sich mit dem teilweise erschreckenden Unwissen von Tierhaltern beschäftigen. Ein „Hundeflüsterer“ reist durch das Land und erklärt Hundehaltern die grundlegenden Bedürfnisse ihres Vierbeiners. Simpelste Grundlagen und Verhaltensweisen über das bereits erworbene Haustier werden dort vermittelt, über die sich offenbar der Halter vor Anschaffung des Tieres überhaupt nicht im Klaren war. Alltägliche Beobachtungen offenbaren die völlige Ahnungslosigkeit über die Bedürfnisse des Tieres, die sich dann in einem Fehlverhalten gegenüber dem Tier offenbaren. Erfreulicherweise handelt es sich dabei um Personen, die ihr Problem erkannt haben und versuchen, Abhilfe zu schaffen. Die überwiegende Mehrzahl der Menschen, die mit ihrem Hund nicht „klarkommen“, gibt diesen in einem Tierheim ab.
In allen anderen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens versucht man, die Ursachen von Missständen zu bekämpfen. Kampagnen des Gesundheitsministeriums zur Bekämpfung von AIDS zielen darauf ab, durch ein sinnhaftes Verhalten die Krankheit gar nicht erst entstehen zu lassen. Umweltschutzverbände arbeiten daran, der Bevölkerung eine ökologische Denkweise zu vermitteln, um nicht die Auswirkungen des Fehlverhaltens bekämpfen zu müssen. Sogar die Europäische Kommission hält es für dringend ratsam, durch Aufklärung im Tierschutzund verbesserte Information der Tierhalter zu sorgen und hat dieses Vorgehen 2006 sogar zu einer nationalen Aufgabe der Mitgliedsstaaten erklärt. Jeder dieser Ansätze konzentriert sich auf die Ursachen, und nicht nur auf die Auswirkungen eines Missstandes!Trotzdem erfährt dieses an sich logische Vorgehen in der Praxis wenig Rückendeckung und ruft im Gegenteil teilweise polemische Kritik hervor. Denn die eingangs gestellte Frage, wie sich denn Tierschutz definiert, wird von vielen Menschen nach wie vor mit der reinen Versorgung von in Not geratenen Tieren gleichgesetzt. Diese Sichtweise resultiert allerdings oftmals daraus, dass man sich über die tatsächlichen Zustände nicht im Klaren ist.
Dem Menschen müssen die Konsequenzen einer Tierhaltung klar sein
Denn Tierschutz definiert sich auch dadurch, dass man Tiere gar nicht erst in eine Situation bringt, in der sie mehr schlecht als recht versorgt werden müssen. Man leistet keinen Tierschutz im eigentlichen Sinne des Wortes, wenn man z. B. Hunde oder Katzen ihr gesamtes Leben in einem Tierheim zubringen lässt. Dies entspricht nicht ihren Bedürfnissen, sodass man im Tierschutz auch verpflichtet ist, einem Tier diese Situation nach Möglichkeit zu ersparen. Diesen Weg kann man jedoch nur beschreiten, wenn es gelingt, den Menschen die Konsequenzen ihres Handelns aufzuzeigen.
Dabei geht es nicht darum, den Menschen von der Anschaffung eines Haustieres abzuraten. Jedoch muss sich jeder Einzelne darüber im Klaren sein, welch hohes Maß an Verantwortung man damit übernimmt. Und damit den Grundstein dafür legen, dass ein solches Tier sicherlich nicht den Weg in ein Tierheim antreten muss und seinem Besitzer ein Leben lang Freude bereiten wird!
aktion tier-Haustiercheck
Der aktion tier-Haustiercheck gibt einen Überblick über die Bedürfnisse der Haustiere, die am häufigsten auf der Wunschliste vieler Menschen stehen. Fragen wie „Wie alt wird ein Hund?“, „Was kostet die Versorgung von Wellensittichen?“ oder „Wie hoch sind die Tierarztkosten bei einer Katze?“ werden hier kompakt beantwortet. Der aktion tier-Haustiercheck steht zum Download bereit unter „Publikationen“!
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